dato Denkwerkzeuge

Berufstätige Väter

2004/12

Immer mehr Männer möchten Beides: Ein erfülltes Familienleben und ein noch erfüllteres Arbeitsleben. Das treibt manche ins Burn Out hinein, lässt andere wiederum aufblühen. Welches sind die Geheimnisse der berufstätigen Väter, die es schaffen Beruf und Familie und sich selber unter einen Hut zu bringen?

Aufmerksame LeserInnen werden bemerkt haben, dass der Einleitungstext eine wörtliche Kopie eines anderen Beitrags ist. Die Autorin möge mir verzeihen. Als berufstätiger Vater, der versucht, im Job und mit seinem Sohn gleichermaßen erfolgreich zu sein, kann ich nicht umhin, auch die andere Seite darzustellen. Diese lässt sich leicht auf den Punkt bringen:

Es geht, aber es ist schwieriger als man(n) glauben möchte.
Abgesehen davon, dass mit der Geburt eines Kindes ohnedies alles anders wird - im Guten wie im Schlechten (ersteres glaubt man vorher nicht, weil es zu kitschig klingt, auf zweiteres bereitet einen keiner vor!) - gibt es eine Reihe von Hürden für Väter, die mehr als Wochenendpräsenz zeigen wollen, denn mehr Zeit für die Kinder heisst:

Weniger Zeit für den Job
Nicht jeder Arbeitgeber schätzt es, wenn Mitarbeiter in Väterkarenz gehen oder weniger arbeiten wollen. Selbstständige haben hier mehr Gestaltungspielraum. Ich zum Beispiel habe ein Call Center, das Anrufe auf mein Mobiltelefon verbindet. Meine Kunden wissen oft gar nicht, dass ich mit meinem Sohn im Park bin und spiele, wenn sie mich anrufen. Wenn Sie vorher 40h pro Woche gearbeitet haben (60h für die Langsamen unter uns), dann wollen Sie jetzt möglicherweise nur mehr 20h oder 30h arbeiten. Das müssen Arbeitgeber und/oder Kunden erst einmal vertragen. Natürlich können Sie effizienter arbeiten oder - siehe vorher - klug organisieren, aber irgendwoher müssen Sie die Zeit nehmen.

Kurzer Einschub zu Thema Zeit gewinnen
Zeit lässt sich natürlich nicht gewinnen, sie lässt sich nur efffizienter nutzen. Wenn mein Junior schläft, kann ich ungestört lesen - also habe ich immer was zum lesen mit. Auch telefonieren lässt sich trefflich auf den Runden im Park. Computer und Internet zu hause ist fast schon Standard, also werden abends und zwischendurch Mails gelesen.

Aber trotzdem brauchen Sie Arbeistzeit am Stück und irgendwo müssen Sie dann Abstriche machen. Und das wiederum heisst: Sie müssen sich entscheiden - gegen den Job und für die Zeit mit dem Nachwuchs. Diese Entscheidung müssen Sie treffen, kommunizieren und aushalten. Das ist nicht leicht für Männer, die bisher 120% Einsatz im Job gelebt haben.

Wie hält man den Lebensstandard?
Weniger arbeiten heisst natürlich auch, weniger verdienen. Das muss man sich leisten können. Wenn auch die Partnerin gut verdient, geht das entschieden leichter. In der Regel zementieren die Einkommensunterschiede zwischen den Partnern die tradierten Rollenverteilungen. Gegensteuern ist hier schwer. Aber wenn beide Partner auf ihre Ausbildung achten und wenn es möglich ist, tradierte Rollenverständnisse aufzuweichen, dann kann auch die Gehaltsschere klein gehalten werden. Wenn beide annährend gleich gut verdienen und im Job zeitlichen Gestaltungsspielraum haben, dann spräche doch nichts dagegen, dass der Mann mehr daheim bleibt. Oder ist da noch etwas?

Praktizierende Väter werden nicht ernst genommen
Ja, das hat mich am meisten überrascht. Baby und Windeln, Feuchttücher und Popocreme sind irgendwie denkbar schlechte Statussymbole. Frauen reagieren misstrauisch und sehen ihre "Mütter"-Domäne gefährdet, oder, was auch nicht angenehm ist, öffnen sichtbar die "Waschlappen-Softie-Weichei"-Lade. Männer können mit Männern, die wickeln und Fläschchen geben, die Schlaflieder singen und in der Nacht aufstehen, weil die Kinder unruhig sind, nichts anfangen. Es irritiert sie, sie verstehen es nicht und das mögen sie nicht. Und sie nehmen sie auch im Job nicht mehr ernst. Wer einmal wickelt, dem glaubt man nicht, auch wenn er dann die Wahrheit spricht.
Ich könnte eine Fülle von Anekdoten erzählen, die zeigen, wie unsichtbar Väter im gesellschaftlichen Alltag sind. Oder zum Nachmachen: Versuchen Sie mal, als Mann Ihr Kind zu wickeln, wenn Sie unterwegs, also nicht zu Hause sind - sie landen erstaunlich oft auf der Damentoilette und es stört die Damen nicht einmal.

Ohne Rabenmutter geht es nicht
Die Zeit, die Sie mit Ihren Kindern verbringen, geht Ihre Partnerin natürlich arbeiten was manche mit Stirnrunzeln sehen. Die eigene Mutter, Kolleginnen und andere Mütter werten dieses offensichtliche Desinteresse am eigen Fleisch und Blut als groben Charaktermangel. Das ist nicht agenehm und irritiert, ist die erste Zeit mit Kindern ohnedies eine Zeit der Unsicherheit. Überdies gerät man so schnell in die Situation, sich rechtfertigen zu müssen, nur weil gegen gängige Rollenbilder verstossen wird. Lassen Sie sich nicht entmutigen: Es tut den Kindern gut, wenn sie von beiden Eltern möglichst viel haben und wenn beide Eltern auch ein Leben abseits der Kinder haben. Es tut den Kindern gut, es tut der Partnerschaft gut.

Aber - Brüder und Mitväter - es lohnt sich!
Wer traditionelle Verhältnisse (Frau mehr lieb als klug, die Kinder erziehend und zu Hause, Mann weltmännisch und wenig zu Hause weil wichtig, da klug) schätzt, wird sich hier nur schwer finden. Allen anderen aber kann ich sagen, dass es eine unglaubliche Bereicherung und Erleichterung ist, wenn man sich die Zeit mit den Kindern teilen kann: Beide haben noch andere Themen zu erzählen als "Kinder", beide sind mit ihrem Job gesellschaftlich immer noch präsent. Und die durchaus persönliche Auseinandersetzung, die stattfindet, bereichert auch für Auseinandersetzungen im Job - Sie werden weiser und klüger.
Arbeit, Beziehungen und wir selbst sind die drei Bereiche, die wir für ein erfülltes Leben in Ausgewogenheit halten sollten - also nicht nur Job!

Checkliste zum Selbermachen Auch wenn die meisten Checklisten für Mütter sind, gelten sie auch für Väter Machen Sie Ihren Arbeitsplatz mobil (Teleworking!)Organisieren Sie Ihren Arbeitsablauf so, dass er kinderkompatibel ist. Kleine flexible Einheiten, lesen oder Mails schreiben können Sie zB wenn die Kinder schafen. Setzen sie klare Prioritäten und halten Sie diese ein. Sonst haben Sie bald zwei schlechte Gewissen - eines den Kindern gegenüber und eines wegen des Jobs.Legen Sie sich eine klare und strikte Zeitplanung mit viel Puffer zu und halten Sie sich daran.Fordern Sie von Ihrer Umwelt Rücksicht und Entgegenkommen ein.

Links zum Weiterlesen:
"Rabenmütter und die neuen Väter"
www.vaeterzentrum-hamburg.de/strategien.html
Erfahrungsbericht
Papi-Cool
Väter aktuell
Vater werden ist nicht schwer, Vater sein dagegen sehr - am Beispiel Teleworking
Google und neue Väter

Weitere Infos

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