dato Denkwerkzeuge

Wie Wirtschaftstreibende Lehrer sehen

2004/01

Natürlich beneide ich als Wirtschaftstreibender mit einem 10-Stunden-Tag LehrerInnen um Ihre Arbeits- und Urlaubszeiten. Selbstverständlich unterstelle ich den meisten LehrerInnen Desinteresse, Abgestumpftheit, Überforderung und pädagogische Inkompetenz. Ich habe diese Information nämlich aus erster Hand: SchülerInnen und persönliche Erfahrung.
Aber ich wurde gebeten, mein Bild von LehrerInnen etwas weniger verkürzt darzustellen. Mal sehen, wozu das führt....

Meine eigene Erinnerung
Meine eigene Schulzeit war geprägt von strengen LehrerInnen. Und die, die nicht streng waren, waren schwach. Dort haben wir dann die Sau rausgelassen. Ich glaube nicht, dass ich aus meiner Schulzeit ein vernünftiges Lehrerbild mitgenommen habe. Ich weiss auch, dass ich damals vieles NICHT gelernt habe:
- Lernen und mir Stoff dauerhaft aneignen
- Neugier und Lust am Lernen
- Vertrauen in die Führung eines Mentors
- Fächerübergreifende Projektkompetenz

Was SchülerInnen so erzählen
Die eigenen Erinnerungen trügen bekanntlich, daher lohnt es sich, den Jungen von jetzt zuzuhören. Auch da ist oft von Unverständnis die Rede, von mangelndem Einfühlungsvermögen. Natürlich auch von starren Lehrplänen ohne Gegenwartsbezug.
Die Probleme, mit denen die SchülerInnen von heute sich konfrontiert sehen, haben meistens keinen Platz in der engen Stundenzuteilung der einzelnen Fächer. Was soll auch in der Mathe-Stunde über Drogen diskutiert werden? Obwohl Drogen viel mit Wirtschaft und diese bekanntlich mit Rechnen zu tun hat. Warum sollte das Thema Gewalt auf der Straße im Musikuntericht thematisiert werden? Obwohl sich Rap und schwarze Subkultur als Verbindungselement hier anbieten würde. Aber da müssten sich die LehrereInnen Zeit zur Vorbereitung nehmen und wohl auch den Mut, haben, kontroversielle Diskussionen abseits des Lehrplans zu führen. So lernen die SchülerInnen an Beispielen, die wenig mit ihren Wirklichkeiten zu tun haben. Da bilden sich schnell Fronten, denn natürlich denken die Jungen über Dinge nach, über die die Alten schon lange nicht mehr nachdenken.

Wenn sich Wirtschaft mit Schule trifft
Immer wieder beschäftigen wir in unserer kleinen EDV-Firma SchülerInnen. Ich mag junge Menschen und schätze ihre Kreativität und ihren ungebrochenen Elan. Allerdings haben sie oft keine Ahnung von den einfachsten Abläufen und Zusammenhängen. Was lernen die nur in der Schule? Gar nicht zu reden von EDV-Kenntnissen. So gut wie niemand wird später einen Job haben, bei dem er/sie nicht mit Computern wird arbeiten müssen. Aber es gibt kaum LehrerInnen, die das vermitteln können. Jetzt gibt es zwar an vielen Schulen Neigungsgruppen und Freifächer zum Thema EDV aber das Niveau des vermittelten Wissens ist erschreckend, weil Fort-, Aus- und Weiterbildung von vielen LehrerInnen nicht praktiziert wird, von niemandem gefordert wird und das Fehlen derselben keine Konsequenzen hat.

Das war auch sehr auch sehr gut zu beobachten bei den paar Übungsfirmen, mit denen wir zu tun hatten. Zur Erinnerung: Übungsfirmen werden von SchüerInnen im Rahmen des Unterrichts gegründet und begleitet von LehrerInnen. Eine wirklich gute Idee. Nur sind die LehrerInnen leider nicht am letzten Stand der Dinge, was die Zusammenarbeit mit den Übungsfirmen ein bisschen erschwert. Aber das wird ausgegliechen durch den Elan und den Einsatz der Jungen. Je komplexer und grösser die Übungsfirmen waren, je mehr also an Begleitung und Input von den LehrerInnen gefordert war, desto weniger haben die Firmen funktioniert, dest weniger haben die SchülerInnen gewusst, wer was wie eigentlich machen soll.

LehrerInnen machen sich s leicht
Erst vor ein paar Tagen hat eine Lehrerin zu mir gesagt: "Jetzt ist das natürlich noch ein Aufwand, all die Unterlagen für den Unterricht vorzubereiten, aber für die kommenden Jahre habe ich das dann schon und dann geht das viel einfacher."
Gar kein Wunder, wenn allen dabei fad wird - die Lehrkraft hat den Stoff schon x-mal vorgetragen und die SchülerInnen merken auch, dass der Stoff nicht mehr brandaktuell ist.
Der Lehrplan gibt ein Gerüst vor und natürlich wäre es möglich, hier gestaltend und kreativ zu sein, aber das ist natürlich Aufwand, der - hört hört - in der kargen Freizeit erbracht werden will. Aber wird das grosszügige Verhältnis Gehalt zu Stundenzahl nicht genau damit erklärt?
Und wer überprüft denn schon die Qualität des Unterrichts? Was in jedem Betrieb eine Selbstverständlichkeit ist - Qualitätssicherung und Kundenorientierung - findet an Schulen nicht statt. Initiativen werden von den Lehrervereinigungen ihrer Wirksamkeit beraubt. Man denke nur an das Schulenranking oder die Lehrerbeurteilung.
LehrerIn sein scheint doch das warme weiche Nest zu sein, wenn man erst mal drin sitzt. Unangenehm, wenn man noch nicht pragmatisiert ist, unangenehm, wenn man zwischen Schulen springen muss, aber wer es geschafft hat, braucht sich nie wieder anzustrengen, ausser er/sie tut es freiwillig. Und selbst LehrerInnen wissen, wie es um Einsatz ohne Aussendruck bestellt ist. Der lässt nämlich unweigerlich irgendwann nach.

LehrerInnen haben s schwer
Die andere Seite ist, dass es Budgetkürzungen gibt, Stundenkürzungen und die LehrerInnen zunehmend weniger Spielraum haben. Natürlich sind die SchülerInnen immer anspruchsvoller und schwieriger geworden. Die Schwierigkeiten der Gesellschaft der Erwachsenen finden auch in der Schule statt: Alkohol und Drogen, Diskriminierung, Rassismus, Verwahrlosung, Gewalt.
Die Kinder von heute sind selbstbestimmter als je zuvor und nicht allen tut das gut. Von Lehrern wird verlangt, dass sie nachholen, was die Eltern verabsäumt haben. Zu viel wird den Lehrern als Aufgabe mitgegegeben: Soziale Kompetenz sollen sie in der Schule lernen, die Jungen. Ja, gut gewunschen. Aber wie will ein/e dafür mangelhaft Ausgebildete/r das machen, bei denen, die es bis dahin noch nicht gelernt haben? Oder schlimmer noch, gelernt haben, dass asoziale Kompetenz mehr ihrer Interessen sichern kann.

LehrerInnen stehen zwischen den Ansprüchen der Eltern, der der Kinder, der der KollegInnen und dem Lehrplan. Da bleibt gar nicht viel Platz für sie selber, denn kaum bewegen sie sich kommt schon wer und kritisiert. Denn auch den Eltern recht getan ist eine Kunst, die keiner kann.

Sackgasse LehrerIn
Und was kann ein/e LehrerIn schon werden? DirektorIn ist das Höchste der Karriere für einige ganz wenige. Die anderen bleiben, als was sie begonnen haben. Klar, dass man sich s anderweitig fein macht. In der Wirtschaft wird Leistung belohnt, durch Prämien, wachsenden Gehalt und Aufstieg. Nicht so bei LehrerInnen. Dort wird Leistung gar nicht belohnt. Ganz im Gegenteil, das traute Lehrerkollegium bremst die Allzueifrigen schon ein.

Aber man hört auch Erfreuliches
Ja, bei all der Tristesse unseres Schulsystems gibt es auch Erfreuliches zu vermelden. Hier ein/e LehrerIn, der/die auch für Gespräche zur verfügung stehen. Dort eine ganze Schule, die modern, innovativ und qualitätsbewusst ist. Gruppen von LehrerInnen, die statt über Beschäftigunglosigkeit zu klagen, die Zeit zu einem Auslandsaufenthalt nutzen und in den USA unterrichten. LehrerInnen, die es schaffen, Ihre persönlichen Interessen mit den SchülerInnen zu teilen, sei es Theater, Musik oder Sport. Aber das ist freiwillig, auf Einzelne zurückzuführen. Es ist keine Pflicht und nichts, was eingefordert werden könnte, bei den anderen.

Kein Mitleid mit LehrerInnen
Es ginge also doch und dort wo es nicht geht, kann man verlangen, dass sich die LehrerInnen organisieren und für Änderungen sorgen. Es ist ja doch kein Job wie jeder andere und Wechseln in eine andere Firma geht nicht wirklich. Also ist Gestaltung und Änderungswille an der eigenen Arbeit, am eigenen Auftrag vonnöten. Kein Mitleid für die Überforderten, Unterdrückten, Unvorbereiteten. In jedem anderen Job wäre man einer Kündigung gewärtig, gestünde man seine Missqualifizierung so deutlich und über einen so langen Zeitraum ein.

Und was weiter?
Ich bin ja nicht nur Wirtschaftstreibender, ich habe ja selber auch Kinder, die irgendwann in die Schule kommen. Und dann möchte ich schon, dass die Schule ein Dienstleistungsbetrieb ist und Kundenorientierung wörtlich nimmt. Probleme sollten keine der SchülerInnen sein, sondern der LehererInnen. Die Schule als Betrieb sollte in Weiterbildung und Höherqualifizierung ihrer MitarbeiterInnen investieren. Von den LehrerInnen möchte ich sagen können, dass sie hochprofessionell, kompetent und von herausragender sozialer Intelligenz sind. Das alles sollte über gesetzliche Rahmenbedingungen verankert, forderbar und überprüfbar sein.

Weitere Infos

bernd.maierhofer@dato.at
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Tel: +43 1 581 29 70
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