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Rasterfahndung reloaded

2010/04

"Wie Facebook Ihre Daten verkauft" titelten die Medien und die Aufregung war groß. Verständlich, denn die Weitergabe personenbezogener Daten ist ein sensibles Thema. Gerade soziale Plattformen stehen oft im Visier der Datenschützer. Aber welches Interesse sollte Facebook haben, die Daten einer Person weiterzugeben?

Gar keines, glauben Sie mir.

Warum also sichert sich Facebook "eine unabänderliche, unbefristete, ..., weltweit gültige Lizenz, alle Nutzer-Inhalte zu verwenden, kopieren, veröffentlichen, übertragen, verändern, übersetzen, adaptieren, ... und zu verbreiten"?

Weil Facebook noch viel mehr will. Über all die Profile der Benutzer, ihre Interessen, ihre Aktivitäten, was sie sich ansehen und was sie ignorieren weiß Facebook Bescheid. Dieser gesamthafte Blick auf die Daten interessiert Facebook und mit ihnen alle anderen sozialen Plattformen, XIG, Linked-In, YouTube, Flickr, etc.

Wenn Sie bei Amazon einkaufen erhalten Sie Hinweise der Art "Andere, die dasselbe gekauft haben, haben auch ... gekauft" und zu 80% sind das gute und brauchbare Hinweise, weil wir so individuell nicht sind. Online-Platformen wissen Bescheid über ihre Mitglieder.

GOOGLE erstellt anhand ihrer Sucheingaben ein Profil und stimmt darauf die Anzeigen ab, die angezeigt werden. Wenn Sie sich selbst googlen, werden Sie erstaunt sein, was im Netz über Sie abrufbar ist - und das sind nur die offen verfügbaren Daten. GOOGLE sagt Grippewellen voraus, Telekomunternehmen sagen aus der Dichte abgesetzer SMS das Verkehrsaufkommen voraus.

In den USA, Großbritannien und Neuseeland geben Behörden große Mengen an Rohdaten frei - Stichwort Open-Data-Bewegung. Diese Daten sind anonym, beschreiben aber Bevölkerungsgruppen oder Regionen. Es sind Daten über Einkommen, Gesundheit, Kriminalität, Verkehr, Bildung, uvm.

Der nächste große Schritt
Die Verknüpfung all dieser Daten - großflächig, anonymisiert - für die Voraussage von Trends, für das möglichst zeitnahe Beobachten von Ereignissen ist der nächste große Schritt. Rasterfahndung ist daher der falsche Titel, denn bei der Rasterfahndung ging es um das Finden einzelner Personen (Sie erinnern sich: 1970, RAF, Horst Herold). Bei der Datenverknüpfung, von der wir hier sprechen, geht es um eine völlig neue Sicht auf uns und unsere Welt. Es geht um die Zusammenstellung vieler einzelner Mosaiksteinchen zu einem großen ganzen. Ihre persönlichen Vorlieben sind nicht mehr das Thema, Sie sind Teil einer Community und die Metadaten dieser Community werden zu einem neuen Blick verknüpft.

Japanische Wissenschafter haben eine Software entwickelt, die die Bilder von Webcams und Online-Kameras zu einem gemeinsamen Bild kombiniert. Dabei werden fehlende Bilder (toter Winkel etc.) sinnvoll ergänzt. Als Ergebnis liegt - so wie bei GOOGLE Street View - ein Blick von einem beliebigen Standpunkt auf ein Gebäude oder eine Straße vor - aber in Echtzeit.

Firmen wollen diese Daten
Diese Daten sind sehr viel Wert und der generierte Mehrwert liegt in der Verknüpfung der Daten. Es geht weniger um die Personen im einzelnen, sondern um Massenphänomene. Verkehrsleitung ist ein Thema, Energiesteuerung, Krankheitsvorsorge. Sie sehen schon, es geht um die Voraussage, um das proaktive Agieren, basierend auf brauchbaren Daten.

Wenn wir heute wissen, was morgen sein wird - nennt man das Vorsprung?
Ich bin überzeugt davon, dass diese Datenverknüpfung für uns weitestgehend unsichtbar im Hintergrund agieren wird. Navigationssysteme, die uns neue Routen vorschlagen, Zeitungen, die bestimmte Artikel für uns ins Zentrum rücken. Maßgeschneiderte Tarife, Angebote, bevor wir selbst uns eines Bedürfnisses gewahr werden. Eine zwiespältige Sache, jedenfalls, denn zwischen uns und unserer Entscheidung, wie und womit wir die Welt wahrnehmen, wird ein Filter gelegt. Wir sehr wir diesen Filter beeinflussen können und wie transparent er sich uns darstellt, das wird die Kern-Auseinandersetzung zu diesem Thema sein, nicht, welche personenbezogene Daten weitergegeben werden.

Links zum Nachlesen

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