dato Denkwerkzeuge

Interkulturelle Zusammenarbeit Teil 1

2010/12

Eine Bewerbung liegt auf meinem Schreibtisch. Für eine technische Stelle mit gelegentlichem Kundenkontakt.

Eine junge Frau bewirbt sich. Türkin. Mit Kopftuch.

Einladen oder ablehnen?

Ablehnen, ist mein erster Impuls.
Aber in einer Stadt, in der jeder dritte Wähler dem rechten Lager zurechnenbar ist, geht das nicht so einfach. Integration zu fordern ist gut, aber man muß das ja auch irgendwie tun. Vor allem wenn es die anderen nicht tun.

Also nocheinmal her mit der Bewerbung. Die passt eigentlich, Inhalt ok, Sprache und Wortwahl ok. Ich habe in der Vergangenheit immer wieder Bewerbungen abgelehnt, die in mangelhaftem Deutsch abgefasst waren. Aus leidvoller Erfahrung weiß ich, wie schwierig es sein kann, wenn jemand leidlich gut deutsch spricht, aber deutlich schlechter deutsch schreibt. Wenig lustig ist die Erninnerung daran, dass Kunden mit Vornamen angeschrieben wurden (Sehr geehrte Frau Michaela!), weil in südlichen Ländern in der Anschrift zuerst die Zu- und danach die Vornamen kommen und es nicht klar war, dass das bei uns anders ist. So wurde aus "Frau Michaela Berger" eben "Frau Michaela".

Aber das Deutsch scheint hier in Ordnung zu sein. Insgesamt macht die Bewerbung einen sehr guten Eindruck.

Aber das Kopftuch
Was fällt mir nicht alles ein, zu diesem Thema. Vor allem Halbwahrheiten, Aufgelesenes und irgendwo zitiertes.

Grundtenor 1: Kopftuch=religiöses Symbol.
Grundtenor 2: Kopftuch = Unterdrückung.

Aber mir fällt auch Barack Obama ein: "Weder der Vater, noch der Onkel, noch der Sohn, noch der Ehemann, aber auch nicht der Staat sollen darüber entscheiden, was eine Frau trägt."

Was erfahre ich also über diese junge Frau, die ein Kopftuch trägt? Ich muß die Bewerbung ja entscheiden. Ich suche jemanden, der ins Team passt, selbstständig und eigenverantwortlich arbeiten kann. Jemand, der mir - obwohl ich der Vorgesetzte bin - auch einmal widersprechen kann. Kann ich das erwarten, von einer Frau, die Kopftuch trägt?

Was sagt mir das Kopftuch über Rollenerwartungen und Rollenbilder? Kann ich die Frau mit Kopftuch zu Kunden schicken? Würde, ja darf sie, allein irgendwohin reisen? Wir haben Kunden in Deutschland, eine Reise dorthin oder mit mir gemeinsam zu einer Fachtagung wäre denkbar.

Meine Kunden
Was sagen meine Kunden? Wir investieren Zeit und Geld, um ein gutes Gefühl zu transporieren, unser Image ist uns wichtig. Wenn uns Kunden beschreiben, dann sollen sie uns als "flexibel, freundlich, entgegenkommend, unkompliziert, verlässlich, modern, kompetent" beschreiben, passt da ein Kopftuch dazu? Die gleiche Unsicherheit, die ich spüre, werden manche meiner Kunden auch haben. Will ich mir das wirklich antun?

Fortsetzung folgt.

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